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Ökologischer Anbau von Getreide

Ökologischer Anbau von Gemüse, Früchten & Getreide

Zu den meist verkauften Produkten aus ökologischem Anbau gehören Getreide, Gemüse und Obst. Sie sind inzwischen in vielen Supermärkten fester Bestandteil des Sortimentes und haben damit längst den Sprung aus der Nische geschafft. Der Anbau unterliegt, wie alles in der ökologischen Landwirtschaft, strengen Vorschriften. Auf viele Hilfsmittel, die für den konventionell arbeitenden Bauern selbstverständlich sind, wird verzichtet. Dies erklärt den größeren Arbeitsaufwand und den höheren Preis für die Produkte. Für den Öko-Bauern fängt Wirtschaften im Einklang mit der Natur bei der Fruchtfolge an und hört beim Pflanzenschutz längst nicht auf.

Öko-Obst
  • Öko-Bauern wählen besonders robuste Sorten aus, die weit weniger anfällig für Krankheiten oder Schädlingsbefall sind. Gentechnisch verändertes Saatgut ist grundsätzlich verboten.
  • Die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit gehört zu den wichtigsten Bestandteilen eines ökologischen Betriebes. Auf Öko-Höfen, die reinen Ackerbau betreiben, können die Bauern nur begrenzt auf Düngemittel zurückgreifen. Sie setzen stattdessen unter anderem auf pflanzliche Abfallprodukte, deren Nährstoffe von den Mikroorganismen im Boden wieder verfügbar gemacht werden.
  • Die eingesetzten, organischen Düngemittel sollten bevorzugt aus dem eigenen Betrieb stammen.

Um ein einseitiges Auslaugen des Bodens zu verhindern, halten sich Öko-Bauern an bestimmte Fruchtfolgen. Die verschiedenen Sorten werden in festgelegten Reihenfolgen angebaut. Das heißt: Monokulturen sind in einer ökologischen Kreislaufwirtschaft tabu. Es werden nie nur Kartoffeln auf den Äckern eines Öko-Hofes wachsen, sondern auch andere Gemüse- oder Getreidesorten, die sich nach einem festen Plan abwechseln. So wird verhindert, dass der Boden einseitig ausgelaugt wird. Was die eine Sorte dem Erdreich entzieht, gibt die folgende Sorte wieder zurück und profitiert wiederum von den Nährstoffen, die der Vorgänger dem Boden zugeführt hat. So genannte Zwischensaaten bringen zusätzlich Nährstoffe. Leguminosen spielen hierbei eine wichtige Rolle als Stickstofflieferant.

Die Fruchtfolgen variieren je nach Betrieb. Hat sich ein Öko-Bauer auf viehlosen Ackerbau spezialisiert, sähe eine typische Fruchtfolge so aus: Grünbrache (Körnerleguminosen oder Kleegras), Winterweizen (Weißkleeuntersaat), Roggen, Hafer oder Kartoffeln. Durch eine derartige Wirtschaftsweise muss weniger gedüngt werden. Wenn Dünger verwendet wird, so ist dies ausschließlich organischer Dünger. Auf chemische Hilfsmittel wird gänzlich verzichtet. Daher kommen Fehler in der Fruchtfolge den Landwirt teuer zu stehen, denn er kann dem Boden den fehlenden Nährstoff nicht einfach wieder zuführen.

Obst Rdk Ais
  • Unkraut gibt es beim ökologischen Landbau nicht. Es heißt hier Beikraut, weil es nicht selten nützlich ist, unter anderem bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten. Durch die Fruchtfolgen wird der Beikrautwuchs kontrolliert. Wachsen dennoch unerwünschte Sorten, so werden diese nicht selten mit der Hacke per Hand oder durch Abflammen entfernt, denn chemische Unkrautvernichtungsmittel sind verboten. Organische Hilfsmittel kann der Landwirt dagegen verwenden.
  • Dies gilt auch für die Schädlingsbekämpfung. Hier sorgt der Landwirt auf verschiedene Weisen für eine natürliche Balance. Schon die Wahl der Pflanze und die richtige Fruchtfolge helfen, die Pflanze vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Darüber hinaus werden um Öko-Bauernhöfe Hecken, Buntbrachen oder Feldraine angelegt, in denen sich Nutztiere wie beispielsweise Vögel oder  bestimmte Insektenarten ansiedeln. Diese tragen dazu bei, die Vermehrung von Schädlingen in Grenzen zu halten. Hierbei kommt es auf das Gleichgewicht an. Schädlinge sind dem Öko-Bauern nicht unwillkommen, denn sie wiederum helfen, die Nutztiere anzulocken. Dies hat den Nebeneffekt, dass in der Nähe von Öko-Höfen sehr viele Tierarten leben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche natürliche Hilfsmittel, mit denen Schädlinge bekämpft werden können, wie verschiedene Insektenarten oder ein Sud aus Brennnesseln.
  • Der Verzicht auf chemische Hilfsmittel sorgt zum einen dafür, dass die angebauten Pflanzen weniger belastet sind als konventionell angebaute. Daneben schätzen viele Konsumenten von ökologisch erzeugten Produkten auch den umweltschonenden Aspekt für Böden, Flüsse oder Grundwasser, die nicht mit künstlichen Pestiziden (Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden) oder Kunstdüngern belastet werden.

»Hergestellt im Rahmen der Umstellung auf den ökologischen Landbau«

Landwirtschaftlichen Betrieben, die nach konventionellen Methoden arbeiten, wird die Möglichkeit gegeben, ihren Hof auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Diese Phase kann – je nachdem, was angebaut oder hergestellt wird – mehrere Jahre  dauern. In dieser Zeit arbeitet der Landwirt zwar schon nach den Kriterien des ökologischen Landbaus, aber die Folgen des konventionellen Anbaus sind noch nicht gänzlich beseitigt. Stammt ein Produkt aus dieser Phase und wurde die Ware ein Jahr nach Umstellungsbeginn geerntet, wird sie mit dem Aufdruck »Hergestellt im Rahmen der Umstellung auf den ökologischen Landbau« versehen. Dies ist jedoch nur bei pflanzlichen Produkten möglich. Bei tierischen Produkten ist kein Umstellungshinweis erlaubt. Außerdem darf das Produkt nur aus einer einzigen Zutat bestehen. So können beispielsweise Betriebe, die Äpfel anbauen, auf diese Weise ihre Ware vermarkten. Beim Obstanbau dauert die Umstellungsphase je nach Obstsorte bis zu drei Jahren, da sich die Spuren der chemisch-synthetischen Hilfsmittel lange Zeit in den Bäumen und Sträuchern ablagern. Für die Bauern sind damit hohe Kosten verbunden. Über den Verkauf im Rahmen der Umstellung können sie einen Teil der Kosten über den höheren Preis, den sie für Umstellungsware verlangen können, auffangen.

Warum sind Öko-Produkte teurer?

Es gibt mehrere Gründe, warum Öko-Produkte nicht zu den Preisen von konventioneller Ware in den Handel kommen können. Zunächst ist ökologischer Landbau arbeitsintensiver als konventioneller. Unkraut wird teils noch per Hand, teils mit Maschinen entfernt. Bei der Schädlingsbekämpfung sind chemische Mittel ebenfalls tabu. Dies macht den Öko-Landbau deutlich arbeits- und kostenintensiver. Darüber hinaus sind die Erträge der Öko-Bauern geringer. Sie wirtschaften boden- und umweltschonend ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger. In manchen Fällen ernten sie nur die Hälfte im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft. Zudem werden alle 3–5 Jahre bestimmte Pflanzen angebaut, die nur der Nährstoffanreicherung und Belebung des Bodens dienen, wie zum Beispiel Kleegras oder Ackerbohnen. In dieser Zeit fallen für den Bauern Erträge aus, die durch die übrige Ernte ausgeglichen werden müssen. Nicht zuletzt sind die Kontrollen kostenintensiv. Regelmäßig wird geprüft, ob sich die Bauern an die Regeln des Öko-Landbaus halten. Auch dies schlägt sich auf die Produktionspreise nieder.

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