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Essthetik - Food-Styling leicht gemacht!

Wieso sieht das Essen auf den Fotos in der FRISCH & GUT immer so toll aus? Warum sieht es zu Hause immer anders aus? Arbeiten Foodstylisten mit Tricks? Ja, aber die sind eigentlich ganz einfach. Es sind optisch die gleichen Kniffe wie in der Mode: Flächen, Kontraste, abwechslungsreiches Styling, Lässigkeit und manchmal klare Ordnung. Wenn Sie die folgenden Essthetik-Regeln beachten, dann sieht bei Ihnen der Teller genauso gut aus.

SUPPEN

Pürierte Suppen sehen oft ein bisschen langweilig aus, weil sie so „einfarbig“ sind. In unserem Fall: hellbeige. Wenn sie dann noch eine Einlage haben, die zwar super passt und schmeckt, aber farblich ähnlich ist, dann ist das, als wenn man eine beige Hose mit einem beigen Hemd kombiniert: fade. Also peppen wir das Ensemble ein bisschen auf. Merke: Ton in Ton braucht Kontraste.

Kartoffelsuppe Rdk Gla Ais

Ein oder zwei Schöpfkellen Suppe in einen tiefen Teller oder eine Schale füllen. Der Teller sollte nicht zu voll werden. Damit keine Suppe auf den Tellerrand kleckert, halten Sie einen kleinen Unterteller unter die Schöpfkelle und fangen Suppenspritzer damit auf.

Kartoffelsuppe Rdk Gla Ais

Nun großzügig klein gehackte frische Kräuter, wie hier Petersilie und Schnittlauch, über die Suppe geben. Nicht zu klein hacken, damit ein stabiles Kräuternest in der Mitte entsteht. Die Kräuter nicht mit dem Messer direkt vom Brett auf die Suppe schieben, sondern mit den Fingern gezielt mittig über die Suppe geben.

Kartoffelsuppe Rdk Gla Ais

Den knusprig gebratenen und in Würfel geschnittenen Kabeljau drapieren Sie nun, ebenfalls mit der Hand oder einem Löffel, mittig auf dem Kräuterbett. So sinken die Fischstücke nicht ganz ab.

Kartoffelsuppe Rdk Gla Ais

Frischen Rettich raspeln und über die angerichtete Suppe geben. Da frischer Meerrettich eine hohe Würzkraft hat, sollte er sichtbar obenauf liegen und sparsam dosiert werden. Für Gäste, die es schärfer mögen, ein Schälchen mit geriebenem Meerrettich bereitstellen.

TIPP

Zusätzliches Öl, beispielsweise Kürbiskern-, Chili- oder Basilikumöl, ist ein optischer Kontrast auf der Suppe und glänzt schön. Dafür das Öl in eine kleine Plastikflasche mit dünnem Ausguss umfüllen. Damit lässt sich gezielter und einfacher arbeiten, zum Beispiel eine Spirale von außen nach innen auf die Suppe „malen“. Das kann man vorher auf einem leeren Teller üben, die Bewegung muss nämlich mutig und zügig ausgeführt werden.

SALATE

Salat hat meist mehrere Zutaten. Wenn man alles vor dem Servieren in einer Schüssel vermengt und dann serviert, besteht die Gefahr, dass der Salat unter dem Dressing zusammenfällt, und das Durcheinander sieht auch nicht so hübsch aus wie eine gezielte Stapelei. Also auch den Salat lieber portionsweise auf einem Teller anrichten und servieren.

Salat

Hände sind das beste und sensibelste Salatbesteck. Die Blattsalate in mundgerechte Stücke zupfen und mit den vorher gründlich gewaschenen Händen vorsichtig in einem großen Gefäß vermengen.

Salat

Mit einer Hand eine gute Portion Blattsalate greifen, mittig auf den Teller setzen und etwas Abstand zum Rand lassen. Die anderen Zutaten, wie frische Kräuter oder Zwiebeln, und das Dressing in separaten Schüsseln bereitstellen.

Salat

Separate Zutaten, wie hier z. B. den knusprig gebratenen Knoblauch, großzügig über den grünen Salat streuen. Das Dressing erst kurz vor dem Servieren über den Salat geben. Hierfür eignet sich eine Plastikflasche mit engem Ausgang besonders gut, da sich die Sauce per Druck gut dosieren lässt und auf Wunsch noch ein paar Schlenker und Spritzer über den Salat hinaus auf dem Porzellan gezogen werden können. Ein Löffel tut es aber auch.

Salat

Für ein farbliches Highlight nun noch ein paar rote Zwiebeln mittig auf den Salat geben und am Ende ein paar frische Kräuterblätter obendrauf streuen. Diese zusätzlichen Zwiebeln und Kräuter haben kein Dressing abbekommen und glänzen im Gegensatz zu dem darunterliegenden Grün nicht, das verleiht dem Salat eine optische Portion Extrafrische.

TIPP

Bleiben nach dem Anrichten noch Reste, dann kann man diese in einer großen Schüssel vermischen und mit dem Dressing auf den Tisch stellen. Wer noch eine Portion Salat möchte, nimmt sie sich selbst – jetzt endlich mit Salatbesteck – und gibt auch selbst das Dressing darüber.

GERICHTE MIT MEHREREN KOMPONENTEN

Früher hat man alle Komponenten einer Mahlzeit brav nebeneinander angeordnet. Viel hübscher und moderner sieht es aber aus, wenn man alles schön mittig stapelt. Das funktioniert bei Püree, Risotto, Pastagerichten, Couscous – eigentlich bei allem, wo keine großen Fleischteile im Spiel sind.

Erbsenpüree

Mit einem großen Löffel das Erbsenmus mit einem beherzten Klacks auf einen flachen Teller geben. Wenn die Konsistenz etwas fester ist, dann ein wenig flach streichen. Nicht zu viel Püree nehmen, ein voller Teller sieht nicht so hübsch aus.

Erbsen auf Teller

Vor dem Pürieren haben wir ein paar Erbsen aufgehoben. Die lassen wir jetzt über das Erbsenpüree und den Teller kullern. Hätten wir für das Püree z. B. Rote Bete verwendet, dann würden wir ein paar Würfelchen Rote Bete auf den Teller geben. Oder Kürbis. Es geht im Prinzip darum, dem Püree optisch, aber auch geschmacklich noch ein bisschen Biss zu verleihen.

Lachs

Nun kommt der Fisch ins Spiel: Das knusprig gebratene Lachsfilet mit einer Winkelpalette mittig auf dem Püree-Klecks positionieren. Stapeln wie im Kinderzimmer. Das ist der ganz große Styling-Trick!

Lachs

Am Ende die gezupften oder gehackten Kräuter, wie hier z. B. Dill und Minze, über Fisch, Erbsen und Püree rieseln. Verwendet man gehackte Kräuter, ein paar Blätter auslassen, grob zupfen und mit Schwung über dem Teller verteilen.  

TIPP

Ein Stück Zitrone oder Orange dazulegen, separat oder auf den Tellerrand, das ist zu vielen Gerichten ein toller Farbtupfer. Zitronenscheiben sehen übrigens eher altmodisch aus. Ein Viertel oder Achtel wirkt bunter, robuster und auch irgendwie großzügiger.

FLEISCH

Kein Braten ohne Beilagen. Doch wenn sich alles auf dem Teller drängelt und von einer Saucenpfütze unterwandert wird, ist es schnell vorbei mit der feierlichen Optik. Wenn der Trick mit dem schicken Stapeln nicht funktioniert (siehe Gebratener Lachs mit Erbsenpüree), dann werden die Komponenten separiert und glänzen einzeln.

Braten

Den fertig geschmorten Braten auf einem großen Brett wie ein Brot in großzügige und gleich dicke Scheiben schneiden. Die Beilagen wie Brioche-Knödel und Karotten auf separate kleine Teller geben. Ein kleines Kännchen mit der fertigen Sauce befüllen.

Braten

Ein bis drei Bratenscheiben mittig auf den Teller fächern.

Braten

Die Sauce über eine Seite des Fleisches geben und den Saucenspiegel über den blanken Teller ausweiten. Wie viel Sauce Ihre Gäste mögen, ist individuell verschieden. Deshalb sollten Sie das Fleisch nicht in Sauce ertränken und stattdessen Saucen-Nachschub auf den Tisch stellen.

Braten mit Karotten

Es ist angerichtet, und zwar sauber, klar und sehr feierlich. Fürs Auge ist das Grün der glasierten Möhren ein hübsches Highlight, ordentlich in Reih und Glied und auf einem Extrateller. Die Serviettenknödel haben ebenfalls ein eigenes Schälchen. Entweder pro Portion oder in einer großen Schale für alle.

TIPP

Die Teller und Schalen im Ofen bei 100 Grad anwärmen. Dann kann man sich beim Anrichten ein bisschen Zeit lassen, und das Essen wird nicht so schnell kalt. In Restaurants wird das auch so gemacht.

WEITERE TIPPS ZUM SCHÖNEN ANRICHTEN

Teller nicht zu voll machen.

Wenn Sie das Essen in der Mitte positionieren, haben Sie schönen Weißraum drumherum, und das Gericht sieht gleich edler aus.

Farbakzente setzen.

Sorgen Sie für auffallende Highlights! Zum Beispiel durch einen farbenfrohen Saucenschlenker, durch frische Kräuter, durch einen Klecks Öl in der Mitte der Suppe, durch Chiliflocken oder roten Pfeffer. Das macht kaum Arbeit, aber einen großen Unterschied.

Die Hände benutzen.

Egal ob beim Würzen, Marinieren, Salatzupfen oder Anrichten. In den Händen haben Sie das meiste Gefühl und holen das Beste aus Ihrem Gericht heraus.

Das richtige Topping.

Es erfüllt gleich zweierlei Zweck – toll aussehen und das kleine geschmackliche Extra beisteuern. Wunderbare Toppings sind karamellisierter Sesam, Croûtons, frische Kräuter oder Blüten.

Mit Sauce verzieren.

Statt die Sauce einfach so über das Fleisch zu kippen, können Sie damit auch tolle Muster auf dem Teller kreieren. Zum vorsichtigen Angießen hilft zum Beispiel ein Gießaufsatz einer Ölflasche oder eine Spritzflasche.

Gemüse abschrecken.

Halten Sie das Gemüse kurz unter Eiswasser, bevor Sie es servieren. Das stoppt den Garvorgang, das Gemüse bleibt knackig und behält seine leuchtende Farbe.

Schön zerschneiden.

Für Gemüse gibt es verschiedene Schneidearten mit jeweils verschiedenem Zweck und optischem Eindruck. Mit der Schneideart „Julienne“ etwa zerteilt man das Gemüse in feine Streifen, perfekt geeignet fürs Dünsten oder als hübsche Tellerdekoration. Die „Brunoise“-Technik beschreibt das Schnippeln von Gemüse in Würfelform, oft genutzt für Suppen und Saucen. „Parisienne“ hingegen ist Gemüse, das mit einem sogenannten Pariser Messer, also einem Ausstecher mit halbkugelförmiger Kelle, zu Perlen ausgestochen wurde.

DIE WICHTIGSTEN UTENSILIEN

Mörser

Frisch gemahlen duften und schmecken Gewürze, Körner und Blätter besonders gut. Und auch optisch macht das Mörsern etwas her: Von Hand gemahlene Gewürze sehen nämlich deutlich spannender aus als ihr industriell gefertigtes Pendant. Sie sind weniger gleichförmig, und es gibt größere und kleinere Körner und Blätterecken. Das verleiht jedem Gericht eine handgemachte, liebevolle Note.

Winkelpalette

Wenn Sie sich einmal diesen Küchenspachtel angeschafft haben, werden Sie nicht mehr auf ihn verzichten können. Die Winkelpalette hilft beim Glattstreichen von Glasuren, Füllungen und Cremes, macht aber auch das Wenden von Pfannkuchen, Fleisch oder Omelette in der Pfanne zum Kinderspiel. Für das Foodstyling eignet sie sich wunderbar, weil sich mit ihr Fisch- und Fleischstücke auf einem Gemüse- oder Püreebett positionieren lassen.

Pinzette

Wenn die Hand zu groß und grob ist, um ein paar Kleinigkeiten auf dem Teller zu perfektionieren, kommt die Pinzette ins Spiel: Mit ihr lassen sich zum Beispiel Pfefferkörner aus der Sauce holen oder einzelne Kräuterblätter auf das Gemüse legen.

Anrichteringe

Für alle, die geometrische Formen auf dem Teller lieben. In den Portionsringen lässt sich Kartoffelgratin oder -püree in Form bringen, genauso Desserts wie Tiramisu oder Schokomousse. Je nach Material der Ringe dienen sie als kleine Backform oder aber werden erst direkt vor dem Servieren befüllt. Voraussetzung ist, dass die eingefüllte Beilage eine halbwegs feste Konsistenz hat.

Spritzflasche

Wenn Sie sich immer schon gefragt haben, wie in Ihrem Lieblingsrestaurant die kunstvollen Saucenmuster auf dem Teller entstehen – die Spritzflasche ist des Rätsels Lösung. Einfach die fertige, heiße Sauce einfüllen, leichten Druck ausüben und der Kreativität freien Lauf lassen. Funktioniert mit Sauce genauso wie mit Salatdressing.

Handtuch

Ungewollte Kleckse und fettige Fingerabdrücke machen ein hübsches Foodstyling schnell zunichte. Deshalb sollten Sie immer ein Handtuch parat haben: Einerseits um Spritzer zu entfernen, andererseits um Ihre Hände stets trocken und sauber zu halten.

SCHNELLE FOODFOTOGRAFIE FÜR INSTAGRAMMER

Wenn das Essen so gut aussieht, dann will es eigentlich auf fotografiert werden. Und das geht so: Eine bunte Serviette dazu, Besteck ein Glas, vielleicht ein passendes Gimmick, wie ein weiteres Schälchen, Zuckertütchen, Messerbänkchen oder Glasuntersetzer. Ein ruhiger Untergrund tut gut. Gerne in warmen Farben. Aber manchmal ist auch gerade ein verrückter Mustermix aus Tischdecke und Geschirr toll. Mit dem Handy oder der Kamera von oben kommen. Tageslicht ist immer am Schönsten. Aber oft isst man ja abends. Dann ist die Lichtquelle entscheidend. Blitz sieht eigentlich nie gut aus. Also die Lichtquellen (oder den Tisch) so positionieren, dass keine störenden Schatten im Bild sind. Und mit ruhiger Hand fotografieren. Filter, die die Kontraste ein bisschen anziehen sind gut.